Hoffnung

Unser Antrieb immer weiter zu gehen

In unserer Kultur gehen die Menschen oft davon aus, dass es immer nur vorwärts geht. Gradlinig und zielgerichtet nach Vorne ohne Umwege, Abzweigungen oder Zwischenstopps.

➡️ Ziel setzen
➡️ Ziel erreichen
➡️ nächstes Ziel setzen  usw.

Dass es Rückschläge gibt und wir Fehler machen, uns neu orientieren, umorientieren, nochmal ganz von Vorne beginnen wird leider immer noch oft als Schwäche angesehen.

Leider ist unsere Fehlerkultur so weit verkümmert, dass wir selbst für ein Fehlereingeständnis einer mächtigen politischen Person nur Spott und Häme übrig haben. Nicht alle natürlich, aber doch sehr viele.

Doch wenn wir mal unseren kleinen Kosmos verlassen und die Dinge von außen / von oben betrachten, können wir sehen, dass vieles was uns oder anderen widerfahren ist, im großen Ganzen ganz gut zusammen gepasst hat. Ja tatsächlich einen Sinn ergeben hat.

So war es schon oft so, dass selbst augenscheinliche „Unglücke“ oder „Niederlagen“ sich im Nachhinein als großes Geschenk erwiesen haben.

Eine gute Freundin hat mich gefragt, wie wir in dieser jetztigen Situation –  nach dreimonatigen Verhandlungen das Grundstück nicht bekommen zu haben, und nun ohne eigenen Wildnisplatz sind und wieder von vorne beginnen zu müssen – noch so viel positive Energie haben und weiter machen?

Tom und ich haben trotz unseres „jungen“ Alters schon viel erlebt und auch viele Niederlagen und Kehrtwenden erlebt. Mehrere berufliche und private Neuanfänge gestartet und daher haben wir beide die Gewissheit, dass alles für etwas gut ist. Wir lernen daraus, lernen neue Menschen kennen, die unser Leben bereichern, gewinnen an Resilienz und Mut immer wieder von vorne zu beginnen und sei eine Erfahrung noch so frustrierend und erschütternd.  Die Zeit des Trauerns vergeht auch und das Abenteuer Leben wartet wieder an der nächsten Ecke.

Hoffnung Sinn
Ob es ein Unglück ist oder ein Segen, weiss ich nicht, weil dies ja nur ein Bruchstück ist.
Wer weiss, was darauf folgen wird?

Dazu möchten wir euch eine Geschichte erzählen, die ihr vielleicht schon einmal gehört habt, denn sie ist sehr alt.

Die folgende Geschichte trug sich zur Zeit Laotses in China zu und Laotse liebte sie sehr.

Ein alter Mann lebte in einem Dorf. Er war sehr arm, aber selbst die Könige waren neidisch auf ihn, denn er besaß ein wunderschönes  Pferd. Sie boten ihm hohe Summen für das Pferd, aber der Mann weigerte sich sein einziges Pferd zu verkaufen. 

Eines Morgens fand er sein Pferd nicht mehr im Stall. Das ganze Dorf versammelte sich und die Leute sagten: «Du dummer alter Mann! Wir haben immer gewusst, dass das Pferd eines Tages gestohlen würde. Es wäre besser gewesen, wenn du es verkauft hättest. Was für ein Unglück!» Der alte Mann sagte: «Wir werden sehen.» Die Leute lachten den Alten aus. Nach einigen Tagen kehrte das Pferd  plötzlich zurück. Es war nicht gestohlen worden, sondern in die Wildnis ausgebrochen. Und nicht nur das, es brachte auch noch ein Dutzend wilder Pferde mit. Wieder versammelten sich die Leute aus dem Dorf und sie sagten: «Alter Mann, du hattest Recht. Es war kein Unglück, es hat sich tatsächlich als ein Segen erwiesen.» Der Alte antwortete: «Wir werden sehen.» Dieses Mal wussten die Leute nicht viel einzuwenden, aber innerlich wussten sie, dass der Alte Unrecht hatte.

Zwölf herrliche Pferde waren gekommen. Der alte Mann hatte einen einzigen Sohn, der begann, die Wildpferde einzureiten. Schon eine Woche später fiel er vom Pferd und brach sich beide Beine. Wieder versammelten sich die Leute aus dem Dorf und wieder beklagten sein Unglück: «Was für ein Unglück dir widerfahren ist! Dein einziger Sohn hat sich jetzt so verletzt und er war deine einzige Hilfe. Jetzt musst du deine Felder alleine ernten.» Der Alte antwortete sehr bedacht: «Wir werden sehen.»

Es ergab sich, dass das Land nach ein paar Wochen einen Krieg begann. Alle jungen Männer des Ortes wurden zwangsweise zum Militär eingezogen. Nur der Sohn des alten Mannes blieb zurück, weil sie ihn auf seinen Krücken nicht gebrauchen konnten. Der ganze Ort war voller Kummer, weil sie wussten, dass die meisten der jungen Männer nicht nach Hause zurückkehren würden. Die Leute kamen zum alten Mann und sagten: «Du hattest Recht, alter Mann – es hat sich als Segen erwiesen. Dein Sohn war zwar verkrüppelt, aber immerhin ist er noch bei dir. Unsere Söhne sind nun für immer fort.» Der alte Mann reagierte wieder seelenruhig: «Wir werden sehen.»

Seither weiss man in diesem Dorf: Was ein Segen ist, kann auch ein Unglück sein. Was wie ein Unglück aussieht, kann auch ein Segen sein.

Ob es in Unglück ist oder ein Segen, weiss ich nicht, weil dies ja nur ein Bruchstück ist. Wer weiss, was darauf folgen wird?

Ist es euch schon einmal so ergangen, dass ihr in einer sehr glücklichen oder unglücklichen Situation gesteckt habt, die sich später als das Gegenteil herausgestellt hat?

Wir sind gespannt auf deine Erfahrungen. Das Leben hat immer so viele spannende Wendungen für uns.

Wilde Grüße von Lydia und Tom

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