Die Natur fühlen

Wie könnten Schulen die Natur lebendiger machen?

Natur fühlen

Alexander von Humboldt war ein großer Mann, Reisender, Forschender und vor allem neugierig. Viele Bücher sind über ihn geschrieben worden. Wie er seinen Zugang zur Natur fand, dokumentiert und wie er unsere jetztigen Wissenschaft half zu verstehen.

In der Schulzeit haben wir wohl fast alle das klassische Modell des Biologieunterichts erlebt: Im Klassenraum, an Tischen vor Plastikmodellen sitzend, Arbeitsblätter ausfüllend, Bücher lesend. Das Highlight war dann zweimal im Jahr ein Ausflug in den Wald. Natürlich um die Natur „hautnah“ zu erleben und all das Wissen anzuwenden, dass wir so wunderbar auswendig gelernt hatten.

Kurz ich habe es gehasst. Ich fand die Natur und alles in ihr so langweilig und mühselig, realitätsfern und abstrakt. So sehr, dass ich als sehr sehr neugieriges Kind schnell kein Interesse daran hatte und nur das Notwendigste tat, was getan werden musste.

Als dann endlich der Schulgarten als AG startete, war ich so begeistert, weil es endlich mal was Praktisches wahr. Denn ich wollte die Natur fühlen. Endlich gab es etwas haptisches, fernab vom Unterricht. Ich erinnere mich mit allen Sinnen an die Studentenblumen, die ich gesät, gepflegt, gegossen und bewundert habe, das sie wirklich wuchsen, erstrahlten und lebendig waren. Vor allen den Geruch habe ich noch ganz deutlich in der Nase. Mit Biologieunterricht oder Botanik, hatte das für mich nichts zu tun.

Wie traurig ist das eigentlich im Nachhinein.

Schule anders denken? Natur fühlen lernen?

Nicht jedes Kind hat das Glück an einer Waldorf oder Montessorischule zu sein oder einer anderen freien Schule, die Natur lebendiger gestalten. Wo neben Schemata abzeichnen auch wirklich SEHEN auf dem Plan steht. Wo sich Kinder mit den Tieren und Pflanzen auseinander setzen, sie erkunden, jedes einzelne Teil, um zu verstehen, vielleicht sogar mit ihnen meditieren.  Orte, wo auch regelmäßige Ausflüge fest im Unterrichtsplan verankert sind, wären großartig.

Oder eine ganz abstruse Idee: Den Untericht könnte man komplett nach draußen verlegen? Es gibt schon Modelle und Schulen, die genau das tun. In England und auch in Deutschland zum Beispiel und es werden mehr!
Immer mehr Lehrer und Erzieher bilden sich weiter und weben ein Netz aus Naturverbindung untereinander. Und tun sie das vor allem mit und unter den Kindern. Das wirkliche ERLEBEN der Natur ist gewünscht. Denn die Kinder und Jugendlichen wollen mit allen Sinnen lernen. Genau das erleben wir immer wieder in unserer Arbeit. Schließlich ist es ihnen innewohnend. Der Neurobiologe und Autor Gerald Hüther hat dazu zig Bücher verfasst und auch Richard Louv mit seinem Buch „Das letzte Kind im Wald“ ist schon als Standardwerk in der Pädagogik bekannt. Wehmütig erzählen wir von unserer Kindheit als wir noch im Wald alleine mit Freunden spielten ohne Aufsicht der Eltern. Sogar unsere Eltern waren den ganzen Tag auf Wiesen und Felder unterwegs. Heute ist das fast undenkbar geworden. Nicht mal das Klettergerüst darf der 3-jährige Junior allein betreten.
Wie sollen Kinder Mut und Selbstvertrauen lernen in einer Welt, die ihnen nichts ZUTRAUT? Wo sie keine Schritte alleine gehen können und ihr Tag dermaßen verplant ist, dass nicht mal Zeit zum freien Spielen bleibt? Oder gar Zeit für Langeweile? Oh dieses wunderbare Geschenk Langeweile. Aber dazu gibt es einen anderen Blogpost bald.

Wir haben Hoffnung auf neue Möglichkeiten

Wir freuen uns jedes Mal wenn Schulen und Eltern an uns herantreten und sich Methoden wünschen, damit die Kinder wieder neugierig auf die Natur werden. Wie können sie kennenlernen, was um sie herum ist, abseits von Büchern und dem Internet?

Nur durch tatsächliches RAUSGEHEN und erleben. Sich Zeit nehmen Insekten zu beobachten, Pflanzen zu untersuchen und wirklich wahrzunehmen. Die Ruhe und Beruhigung der Bäume und des Waldes zu spüren. Aus Brennesseln Schnüre flechten, Blüten pressen und essbare Kräuter kosten. Einfach mal an einen Waldrand bei Dämmerung hinsetzen. Diese Bilder und Geschichten, die du da erlebst, behälst du ein Leben lang im Gedächtnis.

Und wer noch immer denkt: Ach das ist aber alles sehr romantisiert und übertrieben, den laden wir gerne ein es auszuprobieren. Ob Kind oder Erwachsener, Schulklasse oder Firma: Naturerleben ist für jedes Alter eine wahre Bereicherung. Die die es bereits erlebt haben, können es bestätigen. Aber erzählen kann man jemand anderen davon schon, aber es fühlt sich lange nicht so echt an, wie wenn du es selber erlebst.

Habt ihr an euer Schule (oder eurer Kinder) tolle neue innovative Ideen und Ansätze erlebt,
die Natur in den Schulalltag zu integrieren?

Schreib es uns gerne in die Kommentare.

Wir sind gespannt auf neue Ideen und das es endlich raus geht!

Wilde Grüße von Lydia und Tom

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