Zuhören

Warum Redekreise so wichtig sind

zuhören

Für uns ist einer der wichtigsten Elemente der Wildnispädagogik, der Redekreis. Hier wird aktives Zuhören trainiert, denn jede Stimme und sei sie noch so leise, soll gehört werden.
Für Menschen, die diese Methode nicht kennen, ist es eine überaus anstrengende Übung. So war es auch für mich. In der Schule wurden wir dazu erzogen, möglichst schnell, direkt und lautstark Antworten auf die Fragen des Fragenden zu finden. Am besten noch bevor der andere zu Ende gesprochen hatte.

Das ist kein Witz. Höher, schneller, besser und das von klein auf.

Ausreden lassen hatte eher etwas von Schwäche oder mangelnder Konzentration als von Respekt und Anstand.

Als ich dann das Prinzip des Redekreises durch Toms Arbeit und auch durch verschiedene Schwitzhütten und Frauenkreise kennen und lieben gelernt habe, ist eine andere Qualität in mein Leben getreten. Die Kunst wirklich aktiv zuzuhören, meistern die wenigsten. Und dann auch noch interessiert zu sein, weiter Fragen zu stellen, dem oder derjenigen zu helfen, den Raum zu geben, weiter zu sprechen. Das bietet besonders schüchternden Menschen eine ganz neue Erfahrung.

Wie läuft so ein Redekreis ab? Muss man da wirklich zuhören?

Das Prinzip des Redekreises ist ganz einfach. Es gibt einen Gegenstand. Meist ist das Redestab aus Holz oder ein Redestein, manchmal auch nur ein Stift oder eine Feder. Dieser wird im Lauf der Sonne (im Uhrzeigersinn) herumgegeben. Und jeder/jede, die etwas sagen möchte darf etwas sagen, zum Thema oder der Frage. Falls einem nichts einfällt oder gerade die richtigen Worte fehlen, gibt man ihn weiter. Die anderen hören nur zu und kommentieren nicht. Sie fragen auch nicht nach (außer man hat es akustisch nicht verstanden). Der Redestab wird solange im Kreis weitergegeben, bis jede und jeder das ausgesprochen hat, was er oder sie sagen wollte. Erst wenn der Redestab wieder bei einem angekommen ist, kann man sich zu den anderen äußern, wenn man mag. Hier ist wirklich Konzentration gefragt und man muss sich es tatsächlich merken, was für einen selbst wichtig wahr.

Dieses Gewicht in den Händen bewirkt eine Konzentration, einen Fokus. Der Mensch konzentriert sich auf den Gegenstand und erzählt es manchmal auch nur diesem Redestab, der alles gesagte gütig aufnimmt, wie früher unser Lieblingskuscheltier. Er widerspricht nicht und die Gruppe, die zuhört ebenfalls nicht.

Die Magie des Redekreises

Wenn so einige Runden vergehen, passiert etwas Magisches. Wir kommen aus unserem Kopf raus und gehen ins Herz. Wir sprechen aus dem Herzen. Wir sprechen mit Mitgefühl, mit Verständnis, wertschätzend und rücksichtsvoll.

Am besten funktionieren diese Redekreise mit einer überschaubaren Gruppe. In den Camps sind max. 20 Personen die Obergröße, bei Frauenkreisen empfinde ich 6 bis 8 Frauen als angenehm und händelbar, sich auf jede Einzelne, ihre Geschichte und Bedürfnisse einzulassen.

Wer es noch nicht erlebt hat, sollte es unbedingt ausprobieren. Auch in der Familie funktiert es wunderbar. Auch unser vierjähriger Sohn sagt mit einem Redestab in der Hand ganz weise Worte aus seinem Herzen, die uns tief bewegen und auch helfen können Konflikte aufzulösen oder gar nicht erst entstehen zu lassen.

Wann war deine erste Begegnung mit dem Prinzip des Redekreises?

Wie hast du dich dabei und danach gefühlt?

Schreib es uns gerne in die Kommentare.

Wir sind gespannt auf deine Erlebnisse und Geschichten. Der Redekreis und das Zuhören erzählt uns viel über andere Menschen und auch über uns selbst.

Wilde Grüße von Lydia und Tom

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